Veränderungen in der Schule und am Arbeitsplatz ebenso wie in unserem gesellschaftlichen und familiären Zusammenleben wirken sich ebenso wie unsere demografische Bevölkerungsentwicklung negativ auf die Mitgliederzahlen in nahezu jeder ehrenamtlichen Organisation aus. Doch was passiert, wenn es eines schönen Tages brennt und kein Mensch geht mehr hin, keiner hilft den in Notgeratenen Menschen, keiner löscht das Feuer?
Zugegeben ist der Zusammenbruch des ehrenamtlichen und nichtpolizeilichen Gefahrenabwehrsystems eine mehr als schreckliche Vorstellung und daher gilt es mehr denn je Entscheidungsträger und Führungskräfte für diese Problematik zu sensibilisieren und eigene, feuerwehrinterne Strukturen zukunftsgerecht zu analysieren um so diesem Problem offen entgegen zu treten.
Nach mehreren Jahren rückläufiger Mitgliederzahlen führte die Kreisjugendfeuerwehr Darmstadt-Dieburg eine strenge Analyse der eigenen Strukturen durch. Daraus resultierten das Erstellen eines Geschäftsverteilungsplanes, eines neuen Organigramms und die Überarbeitung nahezu jeder bisherigen kreisweiten Richtlinie. Zusätzlich wurden neue Leitfäden eingeführt und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit massiv aufgewertet, angefangen von Material bis zur Arbeitsweise und Technik. Das Alkoholverbot beim Kreisjugendfeuerwehrtag hielt Einzug und die Einführung der jährlichen Dienstversammlung der Stadt- und Gemeindejugendfeuerwehrwarte resultierte ebenfalls aus dieser Strukturanalyse, die noch einen weiteren, entscheidenden Punkt als Licht brachte im Bezug auf die Zukunftsfähigkeit der Jugend/Feuerwehr. Das Ansehen der Jugendfeuerwehr musste dringend verbessert werden und zwar nicht nur nach Außen in der Bevölkerung, sondern auch innerverbandlich. Jugendliche mussten sich mehr mit ihrer Jugendfeuerwehr identifizieren können um Spaß zu haben, Jugendfeuerwehrwarte mit mehr Ansehen und Rechten aber auch Pflichten versehen werden, kurzum, ein neues Gesicht in Sachen Ansehen und Erscheinungsbild der Jugendfeuerwehr mit allem was dazugehört war notwendig, wenn man die zukünftige Entwicklung im Bereich der Mitgliederzahlen nicht verpassen, sondern mitbestimmen wollte. Ziel war es, schon frühzeitig zu agieren um nicht im Zuge einer möglichen Negativentwicklung reagieren zu müssen. Herauskam die Kampagne Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr. Dieser Begriff ist heute Garant für eine gezielte und vor allem funktionierende Mitgliedergewinnung und Öffentlichkeitsarbeit, die dazu bundesweite Beachtung gefunden hat und mit dem Ehrenamtspreis des Landes Hessen ausgezeichnet wurde. Im Ersten Teil der Kampagne wurden drei unterschiedliche Motivsticker, ein Flyer sowie ein Plakat ausgearbeitet, die dank der finanziellen Unterstützung der Sparkassen Darmstadt und Dieburg, sowie der Sparkassenversicherung Hessen, Nassau, Thüringen, kostenlos an die Jugendfeuerwehren in großer Stückzahl bereitgestellt werden konnten. Hinzu kam eine völlig neuartige Form einer Multimediapräsentation, die vollkommen selbstständig erarbeitet wurde. Diese fast 15-minütige Show zeigt das bestehende Feuerwehrsystem, weißt die Gefahren rückläufiger Mitgliederzahlen auf und zeigt, was die Jugendfeuerwehr zu leisten im Stande ist. Schon in den Folgewochen der Veröffentlichung bildeten sich ganze Gremien zur Mitgliedergewinnung in den Feuerwehren. Ein „Wachrütteln“ hatte stattgefunden und ein Umdenken, die nötige Sensibilisierung für dieses Thema war erreicht. Schnell war klar, dass an diesem Punkt nun nicht nur angesetzt, sondern unbedingt eine Intensivierung dieses Themas geschaffen werden müsse. Die Kreisjugendfeuerwehr schrieb darauf ein fast dreißig Seiten starkes Arbeitsheft, das Mittel zur gezielten Mitgliedergewinnung speziell für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt beschreibt und Lösungsvorschläge bietet. Aber wie sollte man es schaffen, Jugendliche in ihrem Ehrenamt zu bestätigen und zu motivieren? Hier ist der Weg der eigenen Identifikation mit seinen Zielen und Vorhaben ein enorm wichtiger. Das Bild der Jugendfeuerwehr sollte in der Bevölkerung ein vollkommen neues werden. Die Menschen sollten erkennen, wie wichtig die Jugendfeuerwehr für ihre eigene Sicherheit ist, hierzu mussten zum einen Jugendfeuerwehrmitglieder gestärkt werden in ihrer eigenen Auffassung über die Jugendfeuerwehr und zum anderen ein „Eycatcher“ für die Bevölkerung geschaffen werden, der die ganze Leistungsfähigkeit der Jugendfeuerwehr demonstriert. Aus einer Idee, die Viele für nicht umsetzbar hielten, schaffte die Kreisjugendfeuerwehr im Jahr 2005 eines der wohl beeindruckensten Bilder, das jemals im Bereich der Jugendfeuerwehr entstand. Das Megabild ist die menschliche Nachbildung des Logos der Kreisjugendfeuerwehr Darmstadt-Dieburg. Mehr als 1.000 Jugendfeuerwehrmitglieder und fast 300 Betreuerinnen und Betreuer können sich seit diesem Tag auf eine enorm beeindruckende Art und Weise mit ihrer sinnvollen Freizeitbeschäftigung in Verbindung bringen und die Öffentlichkeit reagierte beeindruckt auf diese Darstellung, menschlichen „Wir-Gefühls“ gepaart mit einer großen Portion Idealismus und das schon bei jungen Menschen. Aus diesem Bild entstand eine Faltbroschüre, die bis heute höchsten Ansprüchen gerecht wird.
Die Vorstellung des Arbeitsheftes und der Faltbroschüre fand im Forum S der Sparkasse Dieburg in Groß-Umstadt statt. An diesem beeindruckenden Abend zeichnete Landrat Alfred Jakoubek alle Jugendfeuerwehrführungskräfte mit dem Kompetenznachweis „Ehrenamt“ des Landes Hessen aus. Zuvor hatte die Kreisjugendfeuerwehr dafür gesorgt, dass dieses offizielle Dokument auch mit der notwendigen Unterschrift, nämlich der des Landrates persönlich versehen wird, hierzu mussten einige Regulierungen geschaffen werden um die Vorgaben des Landes Hessen einzuhalten. Diese Veranstaltung und diese Auszeichnung war eine Art der Motivation und des Unterstreichens der Anerkennung einer Jugendfeuerwehrführungskraft, wie es diese bis zum heutigen Tage kein zweites Mal in unserem Landkreis gab.
2007 erarbeitete die Kreisjugendfeuerwehr einen mehrtägigen Lehrgang auf der Basis der Zukunftskampagne. Nach der Prämiere beim Seminarwochenende im Kreisjugendheim Ernsthofen war klar, auch diese Mühe und Arbeit hatte sich gelohnt. Das Feedback aus den Reihen der Jugendfeuerwehren war überwältigend. Noch im gleichen Jahr erschien unsere Zeitschrift „Feuer&Flamme“ nicht mehr in der gewohnten Papierform, sondern als Hochglanzzeitschrift im professionellen Layout. Auch diese Zeitschrift wird vollkommen selbstständig erarbeitet und gestaltet, alleine hierfür sind nahezu 100 Stunden ehrenamtlichen Engagements notwendig.
Eine Konzentration auf die wesentlichen fachlichen Arbeiten der Jugendfeuerwehr und eine Entlastung im Bereich des stetig anwachsenden Verwaltungsaufwandes für die Jugendfeuerwehrführungskräfte waren Auslöser im Jahr 2007 erneut ganz neues Terrain zu betreten. Nach 15-monatiger Vorbereitung, Gespräche mit dem Hess. Innenminister, Volker Bouffier und der Hess. Sozialministerin, Silke Lautenschläger, sowie der erneut enorm starken Unterstützung des Landrates Alfred Jakoubek war es geschafft: Nachdem unzählige Anfragen von Jugendfeuerwehren aus dem Allgäu bis hin zur Jugendfeuerwehr Itzehoe der Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr zur bundesweiten Beachtung verhalfen, war nun ein bundesweites Pilotprojekt geschaffen. Erstmals kann ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Jugendfeuerwehr stattfinden. Seit dem 01. September 2008 werden dank der Unterstützung des Landes Hessen, die das 50.000 Euro teure Projekt finanziert, fünf FSJ-Stellen im Landkreis Darmstadt-Dieburg angeboten. Alle Stellen waren binnen kürzester Zeit besetzt und das auch mit Menschen, die bisher nicht mit der Jugend/Feuerwehr in Berührung kamen. In einer Pressekonferenz mit gleich mehreren Fernseh – und Radioteams sowie mehr als zwanzig Journalisten wurde dieses bundesweite Projekt vorgestellt, ein Medienrummel, wie er sonst nur von Großschadenslagen bekannt ist.
Die Kampagne „Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr“ ist das Ergebnis einer sorgfältig durchgeführten Strukturanalyse die unserer Kreisjugendfeuerwehr bundesweite Anerkennung brachte. Das Ansehen der Jugendfeuerwehr ist seitdem merklich gestiegen und die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist der Beweis dafür, im Landkreis Darmstadt-Dieburg den richtigen Weg und die richtigen Mittel gewählt zu haben. Nach einer Stagnation der Mitgliederzahlen, sind diese im Jahresbericht 2007 erstmalig wieder gestiegen, was sicherlich der größte Erfolg unser Idee ist, die bis heute eine beispielhafte Entwicklung genommen hat und genau daran werden wir ansetzen, denn der nächste Teil dieser Kampagne wird nicht lange auf sich warten lassen, getreu dem ehrgeizigen Motto: Jugend fördern – Zukunft sichern!