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| Girls Day bei der Feuerwehr |
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Albert (14) knöpft den Kindern im Kindergarten den Kittel zu, bevor sie zu den Malfarben greifen, Lena (11) trägt Helm und rollt bei der Feuerwehr den Wasserschlauch aus. Der bundesweite ,,Girls' Day" eröffnet neue Blickwinkel, indem sich Mädchen vor allem in traditionellen Männerberufen umschauen, aber auch Jungs in Frauenberufen. Am Donnerstag war der zehnte ,,Girls' Day".
In den Landkreiskommunen gab es auch diesmal zahlreiche Aktionen. Seit 2006 sind unter dem Motto ,,Neue Wege für Jungs" oft auch Buben dabei. Die Stadt Reinheim beispielsweise hat in Kooperation von Stadtjugendpflege, Schule, Gewerbeverein und Frauenbüro viele ortsansässigen Firmen mit ins Boot geholt. In Geschäften, bei Dienstleistern und Handwerkern sind Schüler als Schnuppergäste vor Ort. 80 Mädchen und 40 Jungen nehmen teil.
Kindergartenleiterin Heike Rehnert hatte schon mehrfach Jungs am ,,Girls'-und Boys' Day" zu Besuch. ,,Immer häufiger wachsen Kinder allein mit Müttern auf. Umso wichtiger sind männliche Bezugspersonen, leider wählen junge Männer den Beruf selten", sagt sie. Alberts Schulfreund Daniel (14) sagt: ,,Das ist schön hier, aber Kinder habe ich später ja zuhause, wenn ich eine Frau habe. Ich will Flugzeugbauer oder Pilot werden." Die Kindergartenkinder indes fragen, ob die beiden Großen morgen wiederkommen, denn: ,,Große Jungs sind toll." Stadtjugendpflegerin Jutta Kirsch befürwortet den ,,Girls'- und Boys' Day" als stressfreie Möglichkeit, neue Berufsfelder zu entdecken. ,,Toll ist es, wenn Mädchen mit Frauen in technischen Berufen ins Gespräch kommen. Für Jungs ist das Schnuppern in Frauenberufe aufschlussreich. In Kindergärten ist sicher auch die finanzielle Seite des Berufs ein Handicap. Ich finde dennoch, die Kampagne regt zum Nachdenken und Umdenken an." Ihre Kollegin Siggi Elsner, die eine Mädchengruppe zum Hospitieren zur Feuerwehr begleitet, ergänzt: ,,Die junge Frauengeneration verfügt über eine sehr gute Schulausbildung, dennoch entscheiden sich Mädchen bei Ausbildungs- und Studienwahl noch immer häufig für weibliche Berufsfelder oder Studienfächer." Bei der Feuerwehr begrüßt Stadtbrandinspektor Lutz Gerhardt die Mädchen: ,,Wir sind das erste Mal beim Girls' Day dabei und sagen euch: Mädchen sind willkommen. Frauen, die in der Jugendfeuerwehr angefangen haben, sind bei uns heute Zug- oder Gruppenführerin." Iris Krüger (46) ist Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Georgenhausen: ,,Es macht Spaß, Männer anzuführen." Die Mädchen grinsen. Teils wurde ihr Interesse an der Feuerwehr durch große Brüder geweckt, die bereits dort aktiv sind. Rebecca (12) aus Habitzheim will später Tierärztin werden. ,,Ich kann mir aber vorstellen, ehrenamtlich zur Feuerwehr zu gehen. Heute will ich einfach mal im Löschfahrzeug mitfahren."
Ob das klappt? Die Frauenbeauftragte der Stadt Reinheim, Hannelore Walz-Kirschbaum, ist ein bisschen skeptisch: ,,Ob der Girls' Day so viel bringt, um Mädchen in technische und Jungs in soziale Berufe zu holen, bezweifle ich. Ich beobachte aber, dass Unternehmen den Tag gern nutzen, um Mädchen auf Ausbildungsmöglichkeiten anzusprechen. Sie wissen um das Potenzial, das vorhanden ist."
Text / Foto: Darmstädter Echo |
Schnuppertag: In Reinheim war eine Mädchengruppe bei der Feuerwehr zu Besuch. Der dortige Jugendgruppenleiter Andreas Kredel aus Zeilhard erklärte die Technik der Fahrzeuge im Fuhrpark.